Die Klimakrise klopft an: Lauchringen im Wetterextrem

Veröffentlicht am 29.08.2026 in Aktuelles
 

Der Gewittersturm am 28.08.2026 hat viele Spuren in Lauchringen hinterlassen.
Herzlichen Dank an Bauhof und Feuerwehr, dass sie so schnell reagiert und die Hauptgefahrenherde beseitigt haben.

Aber: Risiken bleiben auch nach dem Sturm!

Bei Spaziergängen bitte immer einen Blick nach oben haben, ob irgendwo noch ein abgerissener Ast hängt, eine Fichte schief steht oder Ziegel locker sind!

Vielfach hat der Sturm in Lauchringen Dächer abgedeckt. Bei Wohnhäusern gab es häufig schon eine Notreparatur mit Follien. Hier ist außerdem die Freileitung zum Dachständer abgerissen. Sogar die Katholische Kirche in Lauchringen hat Schäden am Dach. Auch hier gilt: Abstand halten von den Kirchenseiten. Hier können gelockerte Ziegelabrutschen.
Mehr dazu – und andere Bilder von Domian Müller auf facebook: https://www.facebook.com/groups/lauchringen/

Auf den Friedhöfen besteht ebenfalls noch Gefahr für Schaulustige durch umgestürzte Bäume, solange die Schäden noch nicht endgültig aufgearbeitet sind.

Schiefhängende Bäume – besonders Fichten - bleiben eine Gefahr auch nach dem Sturm.
Sie können jederzeit noch umfallen oder abbrechen.

Fichten sind Flachwurzler und können bei Sturm schnell den Halt verlieren.
Die Gefahr ist aber lange nicht vorbei, wenn der Baum liegt. Im Stamm entstehen vom aufrecht stehenden Wurzelteller bis zur Baumspitze erhebliche Spannungen!  Das ist kein Spielplatz und die Beseitigung der umgestürzten Bäume ist Arbeit für Profis – besonders die Sicherung des Wurzeltellers.

Die Äste, die auf der Wiese zwischen Damm und Wutach liegen, hat der Sturm mit großer Gewalt links oben an der Pappel abgerissen und nach rechts geschleudert. Deshalb aufpassen, welche Äste noch abgedreht oben in der Baumkrone hängen.

Links oben kann man in der Pappel erkennen, wie dort noch abgerissene Äste locker in der Krone hängen. ABSTAND HALTEN!

Fliegende Sonnenschirme und abgerissene Äste sind Zeugen stürmischer Ereignisse. Am Rathauskreisel hat der Sturm eine Sitkafichte geköpft. Typische Gefahrenherde bei Sturm sind durchgewachsene Fichtenhecken oder -reihen, weit die Bäume keine individuelle Stabilität entwickeln können. Sie wachsen zu schlank und brechen dann bei Sturm wie Streichhölzer.

Aber auch Laubbäume werden entwurzelt, wenn der Wind am belaubten Baum den Hebel ansetzt. Großes Elend und leidende Kinderherzen, wenn das Baumhaus Opfer des Sturms wird.

Bitte Absperrungen beachten. Hier lauern noch Gefahren nach dem Sturm – z.B. durch schräg stehende Bäume.

Vom Sturm geköpfte Fichten in Lauchringen. Die abgerissenen Baumspitzen können schwere Schäden an Dächern und Autos in der Umgebung anrichten

Achtung: hier können jederzeit Ziegel nachrutschen. Beim Spaziergang Abstand halten!

Was ist eigentlich passiert?

An diesem Morgen kamen mehrere Wetterzutaten gleichzeitig zusammen: Ein Tief über der Nordsee lenkte mit einer kräftigen Südwestströmung sehr warme und feuchte Luft in unsere Region. Von Westen näherte sich zugleich eine aktive Kaltfront. Wo die schwerere Kaltluft unter die feuchtwarme Luft schob, wurde diese rasch nach oben gehoben. Beim Aufsteigen kühlte sie ab, der Wasserdampf kondensierte – und es bildeten sich mächtige Gewitterwolken. Starke Unterschiede bei Windrichtung und Windgeschwindigkeit in verschiedenen Höhen sorgten dafür, dass sich die Gewitter organisieren und lange halten konnten. MeteoSchweiz beschreibt eine besonders kräftige Superzelle, die vom Jura über die Nordschweiz bis zum Bodensee zog und verbreitet Sturm sowie Hagel brachte. Der Deutsche Wetterdienst meldete für Deutschland ebenfalls feuchtwarme Luft in einer südwestlichen Strömung und warnte vor Starkregen, Hagel und schweren Sturm- bis Orkanböen. Die Schäden in Lauchringen passen zu heftigen Gewitterböen; ob hier genau dieselbe Superzelle oder ein damit verbundener Gewitterteil wirkte, lässt sich ohne eine örtliche Radar- und Messdatenauswertung jedoch nicht sicher sagen. Details:

  MeteoSchweiz – „Gewittersturm“ vom 28. August 2026:
https://www.meteoschweiz.admin.ch/ueber-uns/meteoschweiz-blog/de/2026/08/gewittersturm.html

  Deutscher Wetterdienst:
https://www.dwd.de/

Hitze, Trockenheit und lokal heftige Gewitter sind auch am Hochrhein keine abstrakten Zukunftsszenarien mehr. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) beziffert die Erwärmung Deutschlands seit Beginn der systematischen Messungen im Jahr 1881 auf rund 2,5 Grad Celsius. Heiße Tage mit mindestens 30 Grad haben sich seit den 1950er-Jahren vervierfacht. Für Lauchringen bedeutet das nicht, dass jedes einzelne Wetterereignis unmittelbar dem Klimawandel zugerechnet werden kann – wohl aber, dass die Ausgangslage für Hitzewellen und bestimmte Extremwetterlagen spürbar verändert ist. [1] Bereits am 13. Juni 2023 hatte der SPD-Ortsverein Lauchringen diese Entwicklung in dem öffentlichen Vortrag „Die Klimakrise ist angekommen – was tun?“ aufgegriffen. Klaus-Ulrich Battefeld erläuterte dabei anhand praktischer Beispiele, wie die Klimakrise vor Ort wahrnehmbar wird, welche Folgen sie für Mensch und Natur hat und welche Handlungsmöglichkeiten bestehen.

Rückblick: Als die Hitze Lauchringen fest im Griff hatte

Der Sommer 2025 lieferte dafür einen deutlichen Vorgeschmack. Bundesweit lag seine Durchschnittstemperatur bei 18,3 Grad Celsius und damit 2,0 Grad über dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990. Zwei markante Hitzewellen prägten Anfang Juli und Mitte August die Saison; im Südwesten wurden bis zu 37 Grad erreicht. Für Baden-Württemberg weist der klimatische Jahresrückblick insgesamt 16 heiße Tage mit mindestens 30 Grad aus – viermal so viele wie im langjährigen Mittel. Auch wenn diese Landes- und Bundeswerte keine lokale Messreihe für Lauchringen ersetzen, beschreiben sie den regionalen Hintergrund der wahrgenommenen Belastung. [2][3]. Wir hatten bereits im letzten Jahr die besonderen Probleme beschrieben (Tropennacht in Lauchringen). Der Südkurier griff die örtliche Debatte und das Interview mit Klaus Battefeld zur Hitzebelastung ebenfalls auf: „In Lauchringen geht es heiß her“.

Der nächste heiße Sommer 2026: Ausnahme wird zur neuen Normalität

2026 verschärfte sich das Bild: Vom 18. bis 28. Juni erlebte Deutschland nach Angaben des DWD eine außergewöhnlich frühe, lange und intensive Hitzewelle. Mehrfach wurde die 40-Grad-Marke überschritten; im Süden und Westen blieb es besonders anhaltend heiß, und vielfach fehlte die nächtliche Abkühlung. Eine Attributionsstudie des DWD kommt zu dem Ergebnis, dass der heißeste Tag dieser Welle im bundesweiten Mittel rund 3,0 Grad wärmer war als in einem vorindustriellen Klima. Die Entwicklung passt zu den Befunden des Klimaatlas Baden-Württemberg: Hitzeperioden werden häufiger, intensiver und länger – auch ländliche Siedlungen können durch dichte Bebauung und versiegelte Flächen zusätzlich belastet sein. [4][5][6]. Wie konkret die Belastung inzwischen vor Ort ist, zeigte auch die kommunalpolitische Radtour des SPD-Ortsvereins Lauchringen am 25. Juli 2026: An der Schule am Hochrhein wurde über aufgeheizte Klassenräume, fehlende Verschattung und den notwendigen Hitzeschutz gesprochen. Dazu erschienen unser SPD-Bericht „Wir brauchen verlässliche Politik“ und der Südkurier-Beitrag „Schule und Möbelhaus in Lauchringen schildern ihre Nöte“.

Starkregen, Hagel und Sturm: War das Unwetter vom 28. August ein Vorbote?

Am 28. August zogen schwere Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen über Teile Baden-Württembergs und der benachbarten Schweiz. Berichte dokumentieren erhebliche Schäden, unter anderem im Raum Singen und im Schweizer Aargau. Für Lauchringen selbst liegt in den ausgewerteten öffentlich zugänglichen Quellen bislang jedoch keine belastbare meteorologische Detailauswertung zu Niederschlagsmenge, Hagelkorngröße oder Böenspitzen vor. Deshalb wäre die Aussage, das lokale Ereignis sei eindeutig eine Folge des Klimawandels, wissenschaftlich zu weitgehend. Belegt ist dagegen der größere Zusammenhang: Der Klimaatlas Baden-Württemberg erwartet extremere Niederschläge und wachsende Risiken durch Überflutung, Erosion und Hangrutschungen; zugleich weist der DWD für Starkregen noch auf regionale Unterschiede und teilweise zu kurze Messreihen für eindeutige Trends hin. Das Unwetter ist daher vor allem ein Warnsignal für Vorsorge und Klimaanpassung. [1][7][8].

Die Klimakrise verursacht nicht jedes einzelne Gewitter, sie verändert aber die Bedingungen, unter denen Unwetter entstehen:

Mehr Wasserdampf: Wärmere Luft kann pro Grad Erwärmung ungefähr 7 % mehr Wasserdampf aufnehmen. Gewitter können dadurch in kurzer Zeit mehr Regen abladen – Starkregen und Sturzfluten werden wahrscheinlicher und intensiver.

Mehr Energie: Höhere Luft- und Wassertemperaturen erhöhen die verfügbare Energie für kräftige Aufwinde. Das kann starke Gewitterzellen begünstigen.

Hagel: Kräftigere Aufwinde können größere Hagelkörner länger in der Wolke halten. Wie sich die Hagelhäufigkeit regional verändert, ist allerdings weniger eindeutig als der Trend zu intensiveren Starkniederschlägen.

Größere Schäden: Ausgetrocknete oder versiegelte Böden nehmen Wasser schlecht auf. Wenn nach Hitze und Trockenheit Starkregen fällt, fließt mehr Wasser oberirdisch ab; Keller, Straßen und Unterführungen werden schneller überflutet.

Lokale Besonderheiten bleiben entscheidend: Zugbahn, Windschichtung, Gelände und Bebauung bestimmen, ob ein Ort tatsächlich getroffen wird. Deshalb lässt sich ein einzelnes Lauchringer Unwetter erst durch eine wissenschaftliche Attributionsanalyse konkret dem Klimawandel zuordnen.

Kurz gesagt: Die Erwärmung lädt den atmosphärischen „Würfel“ zugunsten heftigerer Niederschläge auf. Für Starkregen ist dieser Zusammenhang gut belegt; bei Hagel, Sturmböen und der Zahl der Gewitter bestehen regional größere Unsicherheiten. DWD, Umweltbundesamt und IPCC kommen zugleich zu dem Ergebnis, dass die Risiken extremer Niederschläge mit weiterer Erwärmung zunehmen.

Nehmen wetterbedingte Schäden in Deutschland zu?

Die wetterbedingten Schäden in Deutschland sind langfristig gestiegen.

  • Alle Wetterkatastrophen: Nach einer Analyse von Munich Re sind die Schäden in Deutschland – gemessen am Bruttonationaleinkommen – heute deutlich höher als in den 1980er-Jahren. Für 2020–2024 lagen die inflationsbereinigten Schäden durchschnittlich bei etwa 14 Milliarden US-Dollar jährlich beziehungsweise 0,29 % des Bruttonationaleinkommens. Deutschland gehört damit zu den besonders belasteten großen Volkswirtschaften. Das Ahrtal-Hochwasser 2021 beeinflusst diesen jüngsten Durchschnitt erheblich.
  • Sturm und Hagel: Die GDV-Zeitreihen zeigen stark schwankende Schäden mit einzelnen Spitzenjahren. Schon 1984 verursachte der Münchner Hagelschlag außergewöhnlich hohe Schäden.
  • Gewitterschäden: Die Rückversicherung Munich Re beobachtet bei Schwergewittern in Europa seit Jahren einen Trend zu höheren Schäden. Dazu tragen neben möglichen Veränderungen der Unwetter auch mehr und teurere Gebäude, Fahrzeuge, Solaranlagen und Infrastruktur bei.

Fazit: Gegenüber den 1980er-Jahren ist die wirtschaftliche Belastung durch Wetterkatastrophen in Deutschland klar gestiegen.

Munich Re: https://www.munichre.com/de/insights/natural-disaster-and-climate-change/weather-disasters-in-industrialized-countries.html

GDV-Langzeitstatistik: https://www.gdv.de/gdv/statistik/datenservice-zum-naturgefahrenreport

GDV-Zeitreihe: https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/zeitreihe-naturgefahrenschaeden-180754

Kein Grund zur Entwarnung vor der Klimakrise

Wer auch immer die Klimakrise für unbelegt hält, stellt sich ahnungslos.

  • Die Erwärmung Deutschlands ist eindeutig: seit 1881 etwa 2,5 °C.
  • Hitzewellen treten häufiger und intensiver auf; heiße Tage haben sich seit den 1950er-Jahren vervierfacht.
  • Das Risiko extremer Niederschläge nimmt mit weiterer Erwärmung zu; für Süddeutschland gibt es Hinweise auf zunehmenden Starkregen.
  • Trockenheit, Waldbrandgefahr, Hochwasser- und Gesundheitsrisiken steigen.
  • Die Bundes-Klimarisikoanalyse bewertet bei rund 30 Klimafolgen den Handlungsbedarf als sehr dringend.

Weitere Quellen

  1. Deutscher Wetterdienst: „Deutschland im Klimawandel: Neues Faktenpapier veröffentlicht“, 28. September 2025.
  2. Deutscher Wetterdienst: „Deutschlandwetter im Sommer 2025“, 29. August 2025.
  3. Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg/LUBW: „2025 deutlich zu warm und mit ausgeprägter Hitzephase“, Pressemitteilung vom 5. März 2026.
  4. Deutscher Wetterdienst: „Hitzewelle trifft Deutschland im Juni 2026“, 13. Juli 2026.
  5. Deutscher Wetterdienst: „Attributionsstudie zum Hitzeereignis in Deutschland im Juni 2026“, Stand August 2026.
  6. Klimaatlas Baden-Württemberg: Themenseite „Hitze“, Stand 14. Juli 202
  7. Klimaatlas Baden-Württemberg: Themenseite „Starkregen und Hochwasser“, Stand 2 Januar 2026.
  8. ZEIT ONLINE: „Unwetter in Baden-Württemberg und der Schweiz“, 2 August 2026.

Hinweis zur Datenlage: Für konkrete Aussagen zu Lauchringen wären ergänzend amtliche Stations-, Radar- oder Einsatzdaten der Gemeinde, des Landkreises Waldshut oder des DWD erforderlich. Die vorliegende Einordnung stützt sich deshalb auf geprüfte Bundes- und Landesdaten sowie öffentlich zugängliche Berichte zum Ereignis vom 28. August 2026.

(Fotos © Battefeld, Text: K. Battefeld, unterstützt durch Recherche mit KI)

Für uns in Berlin

 

Parlamentarische Staatssekretärin RITA SCHWARZELÜHR-SUTTER MdB

Wahlkreis Waldshut

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