Wir brauchen verlässliche Politik

Veröffentlicht am 28.07.2026 in Aktuelles
 

Wie ein roter Faden zog sich durch die kommunalpolitische Fahrradtour der SPD Lauchringen die Forderung nach verlässlichen und stabilen bundes- und landespolitischen Rahmenbedingungen. Egal ob in der Schule am Hochrhein, beim Besuch des Hochregallagers von Möbel Dick oder in der Nahwärmezentrale der Gemeinde Lauchringen neben der Eisenbahnbrücke Oberlauchringen.

Schulleiterin Ulrike Stoll (links außen) und SPD-OV-Vorstandsmitglied Martina Meier (rechts im roten Polohemd) begrüßten die Teilnehmenden auf dem Schulhof zur Kommunalpolitische Fahrradtour der SPD Lauchringen am 25.07.2026. Auf dem Rad mit dabei: Die Lauchringer Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter (3.v.l.).

Schule am Hochrhein integriert

Ein knappes Dutzend Interessierte trafen sich an der Schule am Hochrhein zur Sommertour, die sich von 33 Grad im Schatten nicht abhalten ließen, die spannenden Etappen am Samstagnachmittag anzusehen. Die Leiterin der Schule am Hochrhein, Ulrike Stoll, freute sich über die letzte Besuchergruppe der bisherigen „Werkrealschule“. Wie die Presse berichtete, wird die Schule am Hochrhein künftig als echte Realschule Schülerinnen und Schüler zur Mittleren Reife führen. Wie bisher wird auch ein Hauptschulabschluss möglich sein. Bis zur Abschlussklasse sind Querversetzungen zwischen G-Klassen und M-Klassen möglich, um die unterschiedlichen Entwicklungen bei den rund 300 Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen. Diese kommen aufgrund der Wahlfreiheit bei weiterführenden Schulen aus dem ganzen Kreisgebiet, z.T. mit einer Stunde Anfahrtzeit. Die Motive für die Schulwahl sind sehr unterschiedlich. Eine große Bedeutung hat die Vorbereitung auf die Berufswahl. Ein großer Vorteil ist dabei nicht nur die kreisweit bekannt Ausbildungsmesse der Schule, auf der viele potentiell Arbeitgebende Rede und Antwort stehen. Über ein enges Netzwerk zwischen Schule und Arbeitgebern bestehen viele Möglichkeiten, Einblicke in den beruflichen Alltag zu gewinnen. Ulrike Stoll empfindet die kulturelle Vielfalt an der Schule als Gewinn für die Jugendlichen, um sie frühzeitig auf ein Leben in einer vielfältigen Welt vorzubereiten – auch wenn die Zahl der an der Schule vertretenen Nationen geringer sei als in Lauchringen insgesamt. Dabei wird Sozialverhalten ohne Ansehen der Herkunft ganz selbstverständlich geübt.

 

Schule lege den Grundstein für eine erfolgreiche Integration. In der Diskussion gab es deshalb heftige Kritik an Versuchen bestimmter Kreise, die Schulpflicht aufzuweichen. Die von einigen Eltern vorgetragene Angst vor zu großer kultureller Vielfalt sei zudem völlig unbegründet. Die Jugendlichen identifizierten sich eher nach der Farbe der Pausenbrotdose als nach der Hautfarbe. Und bei einigen Softskills und gesellschaftlichen Grundfähigkeiten hätten manche Schülerinnen oder Schüler mit Migrationshintergrund sogar die Nase vorn gegenüber manchen deutschen Muttersprachlern.

Einen großen Stellenwert im Innen- und Außenbereich hat die Kunst. Teilweise in Zusammenarbeit mit Künstlern entstünden im Inneren und im Außenbereich des Gebäudes immer wieder beachtliche Kunstwerke.

 

Der bauliche Zustand des Schulgebäudes sehr einerseits erfreulich - sogar die sanitären Anlagen der Schule seien ohne Bedenken benutzbar. Die Gemeinde als Schulträger habe seit dem ersten Bau Mitte der siebziger Jahre immer wieder Geld in die Erhaltung und die Erweiterung des Gebäudes investiert.

 

Hitzefrei ist keine Lösung – Gemeinde ist gefordert

Spätestens seit diesem Sommer schlage aber die Sommerhitze in nie gekannter Form unbarmherzig zu. Dies war selbst bei der Besichtigung an einem Samstagmittag deutlich spürbar, ohne dass 25-30 Jugendliche die Klassenräume mit der Körperwärme um zusätzlich ca. 3 Grad aufheizten. Völlig ungeschützte Oberlichter sowohl im Altbau (alte Lichtkuppeln) als auch im jüngeren Erweiterungsbau heizen Innenräume zusätzlich mit 2-3 Grad auf. „Hitzefrei“ am Nachmittag sei keine Lösung, da sehr schnell pro Woche acht Stunden Unterricht pro Woche fehlten. Es habe viel Überredungskunst bedurft, zumindest einige große Ventilatoren aufstellen zu dürfen. Aber das reiche für einen geordneten Schulbetrieb nicht aus, obwohl der Hausmeister morgens um 6 alle Fenster öffne, um die Schulräume durchzulüften.

 

Rita Schwarzelühr-Sutter betonte, dem Bund seien durch das Grundgesetz Grenzen gesetzt, um den Gemeinden bei den Schulgebäuden unter die Arme zu greifen. Der Bund versuche hier immer wieder zu entlasten, dürfe aber nur kleine Beispiel-Projekte mit Anstoßfunktion bezuschussen, die regelmäßig vom Rechnungshof kritisch geprüft würden. Dennoch sei Klimaanpassung auch bei Schulen ein ganz wichtiges Thema. Ziel müsse hier eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern sein (ähnlich wie z.B. bei Verbesserung der Agrarstruktur und Küstenschutz). In der Diskussion wurde vorgetragen, zusätzlich belaste der Wegfall der Vermögensteuer seit Helmut Kohl die öffentlichen Haushalte mit einem Fehlbetrag von inzwischen rund 500 Mrd. Euro. Das sei jetzt die Summe der Neuverschuldung des Bundes. Eine zusätzliche Belastung sei die von Grenzgängern in der Schweiz erhobene Quellensteuer (4,5%), die nicht unmittelbar den Wohnsitzgemeinden in Deutschland zugutekomme. Die hohen Einkommen der Grenzgänger erhöhten zudem die statistische Steuerkraft der Gemeinden am Hochrhein, wodurch dringend benötigte Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich des Landes gekürzt werden, obwohl die Kosten auch der Gemeinden hier am Hochrhein höher seien als anderswo.

 

Hochregallager Fa. Dick: weltweite Probleme wirken sich am Hochrhein aus

 

Seniorchef Günter Dick und Juniorchef Pascal Dick (jeweils im hellen Hemd) begrüßten die Besuchergruppe in dem vor zwei Jahren eingeweihten neuen Hochregallager. (Der Südkurier hatte berichtet: https://www.suedkurier.de/region/hochrhein/lauchringen/moebel-dick-geht-mit-der-zeit-lauchringer-firma-eroeffnet-neues-hochregallager;art372610,11892827 ).  

Durch den Zukauf der Gartenmöbelsparte noch vor Covid habe Möbel Dick plötzlich zum traditionellen vor-Ort-Geschäft in Lauchringen ein Standbein im Online-Handel erhalten. Das habe mitgeholfen, erfolgreich die Covid-Krise zu bewältigen. Günter Dick freute sich, dass die nächste Generation der Familie nach Ausbildung und erster Berufserfahrung in London inzwischen ins Unternehmen eingestiegen sei und Ideen einbringe. Das neue Zentrallager im Gewerbegebiet Wiggenberg habe viele logistischen Abläufe deutlich vereinfacht. Hierbei habe es anfangs Schwierigkeiten gegeben, da für das Projekt beantragte öffentliche Fördermittel nicht wie geplant mobilisiert werden konnten. Verlässliche politische Rahmenbedingungen seien besonders wichtig für Unternehmensentscheidungen.

Inzwischen sei der Online-Handel fester Bestandteil des Gesamtunternehmens und trage mit zur Sicherung des Unternehmensstandortes Lauchringen bei. Eine digitale Auftragsbearbeitung und die Steuerung der Förderzeuge über Induktionsschleifen habe erheblich dazu beigetragen, Betriebsabläufe zu beschleunigen, Kosten zu sparen und die Lagerhaltung transparenter zu gestalten. Dem eigentlichen Hochregallager vorgelagert ist ein großzügiger Verpackungs- und Versandbereich, in dem die Bestellungen zusammengeführt und für die Abholung durch Paketdienste oder Speditionen zusammengestellt werden. In der näheren Umgebung werde weiterhin auch mit eigenen Fahrzeugen ausgeliefert. Auf einer Teilfläche werden die Retouren aus dem Versandhandel bearbeitet. Die Rückläufe vom Kunden werden geprüft, nach Ursachen (z.B. Mängel bei der Lieferung vom Hersteller, Transportschäden, Nichtgefallen) sortiert und entweder (bei einwandfreier Ware) in den normalen Verkauf integriert oder als B-Ware vermarktet. Hielte sich Kundschaft nicht an die Sorgfaltspflichten z.B. hinsichtlich Verpackung der Retoure und entstünden hierdurch Schäden, könne der Kunde z.T. haftbar gemacht werden. Leider nähmen Schäden durch unsachgemäße Behandlung zu. Im Online-Vertrieb haben sich inzwischen verschiedene Vertriebskanäle (bis hin zu Otto oder Amazon) etabliert, die auch zur Werbung für die Produkte beitragen. Hierbei werden unterschiedliche Qualitäten über unterschiedliche Vertriebskanäle verkauft.

Wie wirken sich Sisslerfeld und weltweite Ereignisse in Lauchringen aus?

Die Unternehmensgruppe Möbel Dick ist eines der führenden Möbelhandelsunternehmen im süddeutschen Raum und beschäftigt zurzeit über 450 Menschen an den Standorten in Lauchringen, Weil am Rhein, Stockach und Karlsruhe. Dazu gehören Angehörige verschiedenster Berufe, nicht nur die klassischen „Möbelhandelsberufe“, wie Verkauf, Beratung, Auslieferung etc., sondern auch viele moderne Berufe in den Bereichen E-Commerce und Digitalisierung. Zur Unternehmensgruppe gehören inzwischen drei stark wachsende Online-Shops, für deren Betrieb ständig neue Kräfte gesucht werden. Dabei konkurrieren deutsche Unternehmen am Hochrhein mit sehr gut bezahlten Arbeitsplätzen in der Schweiz. Bislang habe man sich gut behaupten können. Die meisten Mitarbeitenden am Standort Lauchringen kämen aus dem Umfeld mit einer maximalen Fahrzeit bis zu einer Stunde. Unklar sind noch die Auswirkungen des Personalbedarfs am Sisslerfeld in der Schweiz. Wenn von den dort neu entstehenden ca. 11.000 Arbeitsplätzen rund 4000 Kräfte Grenzgänger aus der deutschen Hochrhein-Region sein sollen, dann wird die zusätzliche Nachfrage am Arbeitsmerkt die Suche nach qualifiziertem Personal erschweren. Die zusätzlich in der Schweiz benötigten Arbeitskräfte werden zudem bis in den Ostkreis Waldshut nach bezahlbarem Wohnraum suchen, diesen erheblich verknappen und verteuern sowie zusätzlichen regionalen Verkehr verursachen.

Die weltweite Vernetzung im Einrichtungsgeschäft, einschließlich Gartenmöbel und Lampen ist heute ohne Produktion in europäischen Nachbarländern aber auch in Asien (China, Vietnam, Indien) oder zumindest Zulieferung von Einzelteilen von dort nicht mehr denkbar. Selbst hochpreisige italienische Leuchten sind z.T. auf Zulieferung aus Asien angewiesen. Die aktuellen Probleme in der Straße von Hormus wirken sich „nur“ preislich aus. Kritisch wird es, wenn der Verkehr durch den Suezkanal nach Asien behindert ist. Vor einigen Jahren führte die Blockade des Kanals durch ein festgefahrenes Containerschiff zu erheblichen Verzögerungen und Verteuerungen. Hinzu kommt die allgemeine Kostensteigerung. Kostete im Jahr 2010 ein Standardcontainer von Asien nach Europa 1000-2000 US-Dollar, ist es heute mindestens doppelt so viel.  

 

 

Nahwärmezentrale in Ober-Lauchringen  braucht Planungssicherheit

   

Der künftige Lauchringer Ortsbaumeister Jürgen Friedrich stellte die Nahwärmezentrale der Gemeinde Lauchringen nördlich der Eisenbahnbrücke über die Wutach vor. Hintergründe hierzu findet man in der kommunalen Wärmeplanung der Gemeinde (https://www.lauchringen.de/leben-wohnen/grundversorgung-infrastruktur/kommunale-waermeplanung ).

Die Gemeinde Lauchringen steht bei der Nahwärmeversorgung der Bevölkerung aufgrund der aktuellen bundesrechtlichen Entwicklungen in einer schwierigen Situation: Einerseits ist klar, dass die Wärmeversorgung langfristig klimaneutral werden muss und viele ältere Gebäude dafür eine verlässliche Lösung brauchen. Aktuell verändert der Gesetzgeber Förderbedingungen, gesetzliche Vorgaben und Wirtschaftlichkeitsrechnungen so schnell, dass sich belastbare Entscheidungen über Ausbau, Anschlussdichte und Kosten nur schwer treffen lassen. Gerade deshalb brauchen nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern insbesondere der Planungs- und Kostenträger Gemeinde Lauchringen verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen, damit Nahwärme dort ausgebaut werden kann, wo sie technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Die Nahwärmezentrale der Gemeinde Lauchringen besteht aktuell aus mehreren Teilen. Realisiert auf einem Grundstück der Gemeinde steht ein kommunales Verteilsystem, ein Heißwasserspeicher als Pufferspeicher sowie eine Pelletheizung für den Spitzenlastbetrieb. Angepachtet auf Gemeindeflächen hat der lokale Energiedienstleister Schwab einen Großspeicher für Biogas errichtet sowie (ergänzend zu den Anlagen am Hof selbst) ein Blockheizkraftwerk, das neben elektrischer Energie Wäme erzeugt und diese an die kommunale Verteilstation übergibt. Schwab bietet genügend Wärmeenergie für eine Vollversorgung von Oberlauchringen, dass selbst die Pelletanlage nur sehr selten einspringen muss. Lediglich für eine Nahwärmeversorgung von Unterlauchringen muss ein neuer Energielieferant gesucht werden.

Aktuell ist lediglich in Teilen des Altdorfs Oberlauchringen ein Nahwärmenetz bereits verlegt sowie die Anbindung an die Nahwärmezentrale nördlich der Eisenbahnbrücke über die Wutach erfolgt. Im nächsten Schritt erfolgt die Verlegung im Bereich Bergstraße in Oberlauchringen. Dabei gestaltet sich – insbesondere im Bereich der Sackgasse – der Ausbau und Anschluss besonders anspruchsvoll.

Für uns in Berlin

 

Parlamentarische Staatssekretärin RITA SCHWARZELÜHR-SUTTER MdB

Wahlkreis Waldshut

schwarzelühr-sutter.de