KI-Künstliche Intelligenz - Fluch oder Segen?

Veröffentlicht am 05.11.2023 in Kreisverband
 

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Podiumsdiskussion mit (v.l.) Manuel Dohmen, Hans-Peter  Menger, Dr. Peter Schallmayer, PSt. Rita Schwarzelühr -Sutter MdB, Prof. Dr. Herbert Schuster, Jonas Hoffmann MdL

 

Sie ist in aller Munde, aber wir wissen alle wenig darüber: Künstliche Intelligenz oder kurz „KI“. Hat sie eine Bedeutung? Ist sie Fluch oder Segen? Die Meinungen gehen auseinander. Der SPD-Kreisverband Waldshut hatte am 26.10.2023 hochrangige Expertinnen und Experten zu einer Podiumsdiskussion in die Stadtscheuer in Waldshut zusammengerufen, um Licht in die Sache zu bringen.

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Dr. Philipp Schmidt-Wellenburg, Physiker am Paul Scherrer-Institut und im Vorstand der Kreis-SPD, führte in das sperrige Thema ein. Er schilderte auch aus eigener Erfahrung, dass viele wissenschaftliche Erkenntnisse, z.B. in der Grundlagenphysik, ohne Anwendung künstlicher Intelligenz nie hätten erzielt werden können. Spezielle Rechenoperationen, sog. Algorithmen, analysieren riesige Datenbestände von aktuellem digitalisiertem Grundlagenwissen darauf, wie sie einzelne Forschungsergebnisse beurteilen würden. Dabei lernen die Analyseprogramme ständig dazu. Ein Risiko bestehe darin, dass KI bislang nur aus dem bereits digitalisierten Erfahrungsschatz lerne. Wie vor 30 bis 40 Jahren die ersten PC sei die KI heute ein wichtiges Handwerkszeug für den Alltag geworden. Aber sie sei noch neu und verursache Ängste.

Das hochrangige Podium diskutierte mit dem engagierten Publikum die aktuellen Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven. Dipl.-Betriebswirtin und Unternehmensberaterin Rita Schwarzelühr-Sutter vertrat als Parlamentarische Staatssekretärin das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI). Es ist zuständig für die Cybersicherheit und Digitalpolitik Deutschlands. Der Landtagsabgeordnete Jonas Hoffmann beschäftigt sich mit Digitalpolitik und ist auch Dozent für Wirtschaftsinfomatik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Prof. Dr. Herbert Schuster ist wissenschaftlicher Leiter der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Waldshut. Als ehemaliger SAP-Manager ist er einer der Digitalisierungsexperten Deutschlands. Die Sicht der Arbeitnehmerschaft vertrat Gewerkschaftssekretär Hans-Peter Menger. Er beschäftigt sich beim DGB Baden-Württemberg mit beruflicher Bildung. Manuel Dohmen organisierte als Lehrer an den kaufmännischen Schulen 2023 mit Kollegen eine Fortbildung zur Digitalisierung für 300 Lehrerinnen und Lehrer in Waldshut. Moderiert wurde die Diskussionsrunde durch den SPD Kreisvorsitzenden, Dr. Peter Schallmayer.

Ganz wichtig war der Perspektivwechsel: Dasselbe Thema kann aus verschiedenen Blickwinkeln zu unterschiedlichen Beurteilungen führen. Dafür sorgten die Teilnehmenden und die Fragen aus dem Publikum. Menger und Schuster hoben hervor, dass die KI schon im Alltag eingekehrt sei und an vielen Stellen dazu beitrage, den gravierenden Fachkräftemangel der Wirtschaft zu kompensieren. Dabei gelte es, die z.B. in der Metallindustrie verbreiteten Arbeitsroboter mit den Möglichkeiten der KI zu verknüpfen und noch produktiver zu machen. Die Beteiligung der Arbeitnehmervertretungen sichere den Persönlichkeitsschutz in den Betrieben. Schuster und Hoffmann bestätigten, dass Wissenschaft und Weiterbildung ohne Digitalisierung und auch KI nicht denkbar seien. Dabei müssten niedrigschwellige Informationsangebote verhindern, dass Teile der Bevölkerung abgeschnitten würden. Der Versuch, den Einsatz von KI bei der Verfassung wissenschaftlicher Arbeiten zu verhindern, sei gescheitert: Aufgabe der Bildungseinrichtungen sei es heute, die Studierenden daraufhin zu prüfen, ob sie überhaupt verstehen, was sie mit den Recherchemöglichkeiten der KI erreichen können. Manuel Dohmen bestätigte dies auch für den Berufsschulbereich. Der englische Geschäftsbrief müsse nicht mehr erlernt werden, sondern wie man ihn mit digitalen Mitteln abrufen kann. Die Lehrpläne hinkten dabei hinter dem Fortschritt hinterher, hinzu käme bei Jugendlichen die Einhaltung des Datenschutzes. Das Interesse der Schülerschaft sei stark. Alle Teilnehmenden hoben die besondere Bedeutung der ethischen Kontrolle der KI hervor. Dies wurde am Beispiel von Apps deutlich, die hochgeladene Personenfotos zu menschenverachtenden Bildern und Clips verarbeiten. Nach Schwarzelühr-Sutter sei hier der Gesetzgeber dringend aufgerufen, um Lücken zu schließen. Einigkeit bestand, dass zur ethischen Kontrolle von KI und die Einbettung in unsere Kultur eine gute Beherrschung der deutschen Sprache unerlässlich sei. Wer KI verantwortlich kontrollieren wolle, müsse seit früher Jugend ethische Grundsätze gesellschaftlichen Zusammenlebens verinnerlicht haben. Das dürften keine Nebenfächer in den Schulen sein. Dabei dürfe sich die KI in keiner Echo-Blase einseitiger Informationen bewegen. Fehlentwicklungen wie bei bestimmten sozialen Medien seien vermeidbar. Auch die sinnvolle Steuerung des Energieverbrauchs sei bei KI leichter und sinnvoller als beim Einsatz für Kryptowährungen. Zum Thema Cybersicherheit hob Schwarzelühr-Sutter hervor, dass neben der Digitalisierung von Verwaltungsprozessen und deren Absicherung eine große Aufgabe für den Bund darin bestehe, besonders den Mittelstand über die Risiken der KI aufzuklären. Große Unternehmen hätten eigene Abteilungen, die dies sicherstellten. Konzerne wie die Schwarzgruppe kauften für viel Geld knowhow ein, während beim Mittelstand oft noch Problembewusstsein fehle. Hier wirke der Bund z.B. mit der Digitalen Roadshow Wirtschaftsschutz seit 2021 entgegen. Ein Fazit der Veranstaltung: Überzogene Angst vor der Übernahme durch „Fremde Intelligenz“ sei einem Übersetzungsfehler geschuldet: „artificial intelligence“ sei bislang eher die Summe automatisierter Informationsverarbeitung und -auswertung und keine echte künstliche Intelligenz.

 

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Der Südkurier berichtete

 

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